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An erster Stelle steht für mich ein ausführliches Aufklärungsgespräch mit Kindern bzw. Jugendlichen und deren Eltern oder mit den Patienten und deren nächsten Angehörigen. Ich versuche zu vermitteln, dass es sich hierbei um ein neuro-psychiatrisches Störungsbild handelt, für dessen Vorhandensein die Betroffenen und deren Eltern keine Schuld tragen.
Weiter muß daran gedacht werden, dem Patienten gewisse Bewältigungsstrategien zu vermitteln. Ein verhaltenstherapeutischer Ansatz ist durchaus angebracht.
Schließlich muß bei schwerer Ausprägung auch auf medikamentöse Strategien zurückgegriffen werden.
Entscheidend für den Einsatz von Medikamenten sind für mich immer der unzureichende Erfolg nicht-medikamentöser Behandlungsstrategien sowie der Leidensdruck beim Patienten.
Dopamin-2-Rezeptor-blockierende Substanzen können bei Tics wirksam sein. Als Mittel der 1. Wahl gilt in der Literatur auch weiterhin Tiaprid. Doch können auch mit Risperidon durchaus beachtliche Erfolge erzielt werden.
Auch andere Neuroleptika wie Pimozid oder Haloperidol, aber auch neuere Substanzen wie Aripiprazol kommen zum Einsatz. Clonidin kommt im europäischen Raum kaum zum Einsatz und bleibt dem angloamerikanischen Raum vorbehalten.
Eine psychotherapeutische Behandlung im weit gefassten Sinne, nämlich i. S. e. psychotherapeutischen Begleitung ist sicherlich sinnvoll.
Allgemein gesprochen muß jedoch darauf verwiesen werden, dass die Erfolge spezifischer psychotherapeutischer Ansätze zur Remission einer Tic-Symptomatik eher bescheiden ausfallen.
Wenn irgendein psychotherapeutisches Verfahren noch als erfolgversprechend eingestuft werden soll, so ist es eine ganz besondere verhaltenstherapeutische Technik, nämlich das habit reversal training.
Dabei wird gewissermaßen zum Tic eine motorische Gegenantwort eingeübt, bei deren Ausführung ein bestimmter Tic nicht auftreten kann. Dieses Verfahren fordert von dem Patienten jedoch äußerst viel Zeit und Geduld.
Wie bereits erwähnt zählen Aufklärung, Vermittlung von Bewältigungsstrategien, ein verhaltenstherapeutischer Ansatz und medikamentöse Behandlungsversuche zu empfehlenswerten therapeutischen Maßnahmen.
Doch gerade gewisse medikamentöse Ansätze wie Behandlung mit Cannabis, Immunglobulinen oder Botulinum-Toxin müssen speziellen Zentren vorbehalten bleiben.
Bei dem Behandlungsansatz mit einem Hirnschrittmacher handelt es sich um einen neurochirurgischen und somit invasiven Eingriff, bei dem Elektroden tief neben dem sog. Thalamus eingesetzt werden.
Für mich stellt eine derartige Tiefenhirnstimulation auch weiterhin eine ultima ratio dar. Weniger invasiv und durchaus erfolgreich scheint die oberflächliche Elektromagnetstimulation zu sein, von der einer meiner Patienten, der in München behandelt wird, eindeutig profitieren darf.