IVTS Expertenrat

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Wie kann man anderen erklären warum man tict?

Den betroffenen Kindern, Jugendlichen, aber auch den Erwachsenen erkläre ich die Tic-Störung immer als eine gestörte Impulssteuerung im Gehirn. In unserem Gehirn entstehen ständig Impulse zu motorischen Bewegungsabläufen. Diese Impulse müssen aber hinsichtlich der Sinnhaftigkeit stets überprüft und – soweit nötig - über ein Filtersystem zurückgehalten, gebremst, verhindert werden. Und genau dies passiert bei Betroffenen mit einer Tic-Störung nicht in ausreichendem Maße.

Sollten Eltern, Lehrer und Mitschüler informiert werden?

Eltern betroffener Kinder kläre ich immer ausführlich über den Hintergrund einer Tic-Störung auf, da sich auf diesem Wege viele Ängste beseitigen oder zumindest vermindern lassen.

Handelt es sich um eine leichte Tic-Störung, die kaum bemerkt wird, so lasse ich die betroffenen Kinder mit entscheiden, ob sie es wünschen, dass die Lehrer darüber aufgeklärt werden. Ist die Tic-Störung dagegen stark ausgeprägt, so sehe ich es als sinnvoll an, dass Lehrer, Mitschüler und evtl. auch deren Eltern über die Krankheit des Kindes Bescheid wissen. Damit können Missverständnisse und falsche Vorwürfe ggb. dem betroffenen Kind vermieden werden.

Werden Tics auch vorgetäuscht?

In meiner bisherigen ärztlichen Tätigkeit sind mir noch keine Kinder begegnet, die von einer Tic-Störung profitiert hätten. Ich kann mich auch an kein Kind erinnern, bei dem ein eindeutiger sog. sekundärer Krankheitsgewinn vorgelegen hätte.

Dürfen Betroffene den Führerschein machen?

Eine Tic-Störung stellt von Grund auf keinen Hinderungsgrund für den Erwerb der Fahrerlaubnis dar. Individuell muß jedoch immer wieder neu entschieden werden, wobei ein äußerst schweres Tourette-Syndrom die Fahrtauglichkeit sicherlich beeinflussen kann.

Müssen Betroffene zur Bundeswehr?

Die heutigen Kriterien zur Bescheinigung einer Wehrtauglichkeit sind ziemlich streng geworden. Sehr häufig erlebe ich ein pauschales Vorgehen, wonach gewisse Diagnosen wie z. B. ADHS von vorne herein eine Ausmusterung bedeuten. Manchmal passiert dies auch gegen den Willen der betroffenen jungen Erwachsenen. In meinen Attesten und Kurzgutachten gehe ich immer auf die individuelle Situation ein. Entscheidend bleiben für mich die Fragen: Welche Beeinträchtigungen liegen bei dem Betroffenen durch die Tic-Störung vor? Ist unter den jeweiligen Umständen der Dienst an der Waffe verantwortbar?

Bleiben die Tics ein Leben lang?

Aus der Einteilung von Tic-Störungen geht bereits hervor, dass es vorübergehende und chronische Tics gibt. Von letzteren sprechen wir dann, wenn die Tic-Störung über einen Zeitraum von mehr als ein Jahr andauert. 50-70 % aller Tics verschwinden jedoch wieder spontan.

Dr. Niebler